Νeue Heimat | die Insel Kreta | Sprach – und Kulturbarrieren | Teil II

Mit deutschem Elan und Enthusiasmus stürzte ich mich in die Arbeit, die ein Aufhübschen der Taverne & Apartments und Vorbereitungen für die Saison beinhaltete. Auch der riesige Gartenbereich und Strandabschnitt musste auf Vordermann gebracht werden. Oft heißt es siga, siga, ( immer langsam, mit der Ruhe), was aber nicht bedeutet, dass man dadurch gründlicher arbeitet, nein es bedeutet eher, mach mal ne Pause, nicht hetzen. Spielt dann das Wetter im Frühjahr nicht mit, dann ist es kein Wunder, dass der Beginn der Saison eigentlich ja doch viel zu schnell da ist und man zügig alles fertig machen muss. Mit Mühe unterdrückte ich deutsche Gründlichkeit („entaxi ine “ heißt mit entsprechender Gestik sowas wie “ gut is, passt scho “ * ) und schluckte des Öfteren Kritik herunter. „Kleinigkeiten“ wurden erst mal vernachlässigt und dann bei Beanstandung durch Gäste bereinigt. Es macht ja nix, wenn bei jeder Nutzung der Steckdose dieselbe aus der Wand fällt, einem muffiger Geruch beim Öffnen der Küchenschränke entgegenschlägt oder der röhrende Kühlschrank einen kein Auge zutun lässt…! Mit zwinkerndem Auge wird mir erklärt: “ das ist doch der besondere griechische Charme, den die Touristen so lieben…!“ Noch immer muss ich grinsen, wenn mir jemand auf diese Art antwortet.

Missverständnisse in meiner neuen Heimat

Im Laufe der Zeit, bei „Gesprächen“ und gemeinsamen Arbeiten kam man sich näher und eigene Vorbehalte, Vorurteile und Klischees wurden ausgetauscht. Das gestaltete sich oftmals als sehr schwierig aber auch lustig. Denn da einige Kollegen und Bekannte im Grunde nur Griechisch sprechen, verließ ich mich neben dem, was ich zu verstehen glaubte, auch auf die Mimik und Gestik. Das Problem ist nur, dass ich oft das äußere Gehabe, die Stimmlage und das was sie sagten, überhaupt nicht in Einklang bringen konnte! Es fing ja schon damit an, dass Griechen eine Art Nick-Bewegung machen, wenn sie ablehnen – wir würden den Kopf schütteln. Ein leicht zur Seite geneigter Kopf, mit leichter Tendenz nach unten kann als ja aufgefasst werden, aber auch als vielleicht oder ein egal, hier kommt es auf die Nuancen an… Generell wird beim Reden viel gestikuliert , untermalt von lebhafter Mimik und dabei kann es recht lautstark zu gehen. Außenstehende könnten darin durchaus aggressives Verhalten sehen, doch meist ist es halt ein geselliges Beieinander mit Diskussionen, Anekdoten, Austausch von Erfahrungen usw. In ihrer Art sehe ich eigentlich eine gewisse Ähnlichkeit zu Bayern. Da geht’s auch oft lautstark zu und zum Unterstreichen des Gesagten wird auch mal auf den Tisch gehauen. Nur da versteht man ja, um was es geht und kann es einordnen!

Unterschiede zwischen Griechenland und Kreta

Im Kretischen werden viele Wörter verstümmelt oder auch verschluckt, was das Lernen zusätzlich erschwerte. Hier kommt dann auch der Dialekt zum Tragen. Von mir verwendete Worte stießen auf Unverständnis, da – wie auch in deutschen Dialekten – andere Worte benutzt werden. Auch die Betonung eines Wortes kann eine gänzlich andere Bedeutung hervorrufen und so konnte ich mir nicht immer sicher sein, dass ich alles richtig verstanden habe. Somit wurde mir der Satz mal umschrieben , ganz deutlich ausgesprochen, ein englisches Wort eingeflochten oder mit Mimik und Gestik dargestellt – und zur Not auch alles zusammen. Natürlich befleißigte auch mich dieser Hilfsmittel und trug zusätzlich noch ein kleines Wörterbuch mit mir herum. Ich glaube während der Zeit vor den ersten deutschen Gästen habe ich permanent das Gehörte und Gesagte gedreht und gewendet, um sicher zu sein, es richtig verstanden zu haben und um endlich ein Gefühl für die Sprache entwickeln zu können. Anfangs hielt ich mich viel im Hintergrund und überdachte zweimal was ich sagte und tat. Normalerweise hatte ich keine Scheu, in einer fremden Sprache drauf los zu reden und Fehler in Kauf zu nehmen, aber hier wollte ich auf jeden Fall verhindern anzuecken, oder ein falsches Bild abzugeben. Wie schnell enden Fettnäpfchen in Missverständnissen, andere Sitten werden als Beleidigung oder Aufforderung empfunden, Gerüchte entstehen und können ein gutes Miteinander massiv beeinflussen. Da war es dann manchmal einfacher, das Gespräch mit einem „den ** katalaweno“ = ich verstehe nicht und einem bedauernden Schulterzucken zu beenden oder auf was anderes zu lenken.

Der Stolz von Kreta

Die gemeinsame Zeit war ein steter Unterricht der griechischen – oder besser kretischen – Sprache und Kultur. Bei Erzählungen schwang oft ein leiser Unterton von Stolz mit. Kreter sind stolz auf ihre Sprache, stolz auf IHRE Insel, stolz auf ihr Volk und ihre Kultur. Das zeigen und leben sie und durch den Tourismus sehen sich viele darin auch bestätigt. “ Der schönste Flecken Erde“ , „das beste Essen, bester Raki, andere bezahlen um hier zu sein, …“ . Es war und ist eine Freude einem Einheimischen zuzuhören, wenn er schwärmt! Dieses spezielle Lebensgefühl zeigt sich auch deutlich in der Musik, deren traditionelle Art von Jung und Alt gepflegt wird. Am Anfang hatte ich große Probleme, die Musik zu ertragen, zu atonal und fremd in meinen Ohren. Selbst als begeisterter Hobby-Tänzerin juckte es mich bei dieser Musik in keinster Weise in den Beinen. Da auch in Bars und Clubs zumindest in Phasen traditionelle Musik gespielt wurde, war mein Bedarf an solcherart Vergnügungen schnell gedeckt. Darauf angesprochen wurde mir erklärt, dass man diese Musik nur verstehen und lieben kann, wenn man die entsprechende Kultur und jenes Lebensgefühl verspüren kann. Weise Worte, mir in dem Moment jedoch vollkommen wurscht , da ich die Darbietung eher wie Katzenmusik empfand.

Wenn ich mir jedoch die Musiker und Reaktionen des „Publikums“ so ansah, so war dieses Gemeinsame zu erkennen. Bei Live Musik wird gespeist und geredet, erscheint teilweise ignorant, doch dann wird mitgesungen, auf kleinstem Kreis beginnen die ersten Tänzer, Jung und Alt, Mann und Frau, Profi und Anfänger, keiner scheut sich, dem Reigen beizutreten und mitzumachen. Eine Lebensfreude die abfärbt und der sich immer mehr hingeben. Für ein paar Stunden die eigenen Probleme und Sorgen vergessen und die Gesellschaft mit Anderen wirklich genießen, das können sie wirklich.

Denn mit der Einführung des Euro hat sich viel geändert. Die enorme Teuerung von allem und der riesige Schuldenberg Griechenlands liess mit Sorge in die Zukunft und mit Wehmut in die Vergangenheit blicken. Der deutlich spürbare Rückgang des Tourismus und damit auch des Einkommens ließ viele Projekte zum Erliegen kommen und verhinderte Modernisierungs – und Renovierungsarbeiten. Die daraus folgende steigende Arbeitslosigkeit und schlechte soziale Absicherung ließ nichts Gutes verheißen.

* geschrieben wie ausgesprochen
** d wie im englischen th gesprochen

Text: Ulla

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